Die MotoGP-Saison 2024 ist in vollem Gange und eines steht jetzt schon ganz klar fest: Ducati dominiert die Königsklasse des Motorradsports wie kein anderer Hersteller. Vier von zwölf MotoGP-Teams setzen auf den Hersteller aus Borgo Panigale – ein Drittel des Starterfelds vertraut auf Ducati. In der Konstrukteurswertung steht Ducati mit über 100 Punkten Vorsprung auf KTM unangefochten an der Spitze.
Der Aufstieg zur Dominanz
Der Weg an die Spitze war nicht immer einfach. In den frühen 2000er Jahren, als Casey Stoner mit Ducati seinen Weltmeistertitel holte, stand alles im Zeichen des Australiers. Doch nach Stoners Abschied versank das Ducati Team im Mittelfeld der MotoGP. Zu schwierig war das Handling der Ducati. Oft stand die Frage im Raum. ob sie unfahrbar wäre. Selbst Valentino Rossi scheiterte an der „roten Diva“.
Die Dall’Igna-Ära: Innovation und Erfolg
Die Zeitenwende kam mit dem Wechsel von Gigi Dall’Igna. Unter seiner Führung erlebte Ducati eine Renaissance. Geniale Innovationen und das maximale Ausreizen des MotoGP-Regelwerks führten zum beispiellosen Erfolg und machten die Ducati Desmosedici zum dominierenden Motorrad. Immer mehr Teams stiegen um und die „Königsklasse“ färbte sich nach und nach rot.
Doch stellt sich durch den enormen Erfolg und die Dominanz nicht auch Langeweile ein? Ducatisti würden dies nun vehement verneinen. Denn die Rennen sind weiterhin spannend und die Zweikämpfe hitzig. Nur die MotoGP Fahrer tragen diese auf dem gleichen Material aus. Also nochmal, ist es nun wirklich langweiliger geworden?
Fehlende Vielfalt
Die Faszination der Rennen und Zweikämpfe kann schlecht geleugnet werden und doch schwindet der Reiz, wenn immer die gleichen Ducatis um den Sieg kämpfen. Die Unterschiede zwischen den Ducatis beschränken sich im Wesentlichen auf das Baujahr. Vor ein paar Jahren war das Fahrerfeld und der Kampf um den Sieg vielfältiger. Heute dominieren die Roten nach Belieben. Verkommt die MotoGP zukünftig zu einer Ducati-Weltmeisterschaft? Man könnte fast sagen, ja. Die Dominanz von Ducati ist erdrückend und lässt anderen Herstellern kaum eine Chance. Diese fehlende Konkurrenz birgt jedoch die Gefahr der Stagnation.
Der Teufelskreis: Erfolg und Trägheit
Erfolg kann den Blick verändern und auch träge machen, das hat uns die Vergangenheit gezeigt. Honda und Yamaha sind da zwei gute Beispiele. Noch vor ein paar Jahren dominierten diese beiden Hersteller das MotoGP-Geschehen. Aber der Erfolg machte sie träge. Falsche Entscheidungen wurden getroffen, zu spät auf Innovation gesetzt. Nun sind sie im hinteren Mittelfeld zu finden und viele Teams haben sich andere, bessere Hersteller für eine Partnerschaft gesucht. Ohne wirkliche Konkurrenz besteht immer die Gefahr, dass man sich auf den Lorbeeren ausruht und die Weiterentwicklung vernachlässigt.
Fehlender Erfolg in der MotoGP ist gleichbedeutend mit fehlender Wirtschaftlichkeit. Wenn Hersteller über längere Strecken keinen Erfolg haben, wird schnell ein Ausstieg in Erwägung gezogen. Passiert dies, verliert die MotoGP einen wichtigen Akteur. Die Lücke, welche dann entsteht, wird von einem erfolgreichen, angestammten Hersteller gefüllt und so schwindet die Vielfalt. Durch eine zu starke Dominanz wird auch die gesamte MotoGP uninteressant für neue Hersteller, da der Einstieg zu schwer erscheint. Es ist ein Teufelskreis.
Ich erhoffe mir, dass durch die neuen Regeln, welche 2027 in Kraft treten, die Karten neu gemischt werden und wieder mehr Vielfalt in die MotoGP einzieht. Nicht wegen der Spannung in den Rennen, sondern damit die MotoGP weiterhin unterschiedliche Hersteller von Motorrädern auf höchstem Niveau zeigt.
Eure Miss MotoGP
