Sonne, blauer Himmel und warme Temperaturen – ein perfektes Szenario für ein historisches Rennwochenende. Das erste Rennwochenende der neuen Women’s Circuit Racing World Championship – kurz WorldWCR fand im Rahmen der Superbike-WM in Misano statt. Doch was ein Meilenstein für Frauen im Motorradrennsport bedeuten sollte, entwickelte sich als recht holpriger Start.
Zwei Rennabbbrüche, Stürze und Zweifel
Nach dem schweren Sturz der Norwegerin Mia Rusthen in der sechsten Runde des ersten Rennens am Samstag, wurde dieses direkt abgebrochen. Mittlerweile sind auch schon erste Updates über den Gesundheitszustand der Norwegerin bekannt. Sie wurde ins künstliche Koma versetzt, damit ihr Körper sich von einer Gehirnerschütterung erholen kann, hieß es.
Da der Zeitplan am Samstag eng getaktet war, musste der Re-Start auf den Nachmittag verschoben werden. Auch nach dem Re-Start kam es erneut zu einem Unfall, was einen erneuten Abbruch zur Folge hatte. Ein dritter Versuch, das erste Rennen der WorldWCR durchzuführen, glückte. Maria Herrera und Ana Carrasco sowie Sara Sanchez und Beatrize Neila setzten sich erwartungsgemäß gleich zu Beginn des ersten Rennens vom Verfolgerfeld ab. Am Ende machten Herrera und Carrasco den Sieg unter sich aus. Maria Herrera gewann mit einem Vorsprung von 0,067 Sekunden (zweite wurde Carrasco, dritte Sanchez).
Am Sonntag lief das zweite Rennen ohne größere Stürze, aber mit einem ähnlichen Bild der Führungsgruppe ab. Wieder entschied sich das Podium zwischen Maria Herrera und Ana Carrasco, Sara Sanchez und Beatrize Neila. Die Vier deklassierten ihr Verfolgerfeld und setzten sich weit ab.
Kuriose Stürze, Rennabbrüche und der weite Abstand der Führungsgruppe, warf unweigerlich Fragen auf. Sind die Teilnehmerinnen ausreichend qualifiziert und auf einem ähnlichen Niveau? Ist die Yamaha R7 als Einheitsmotorrad die richtige Wahl für die WorldWCR?
Ist die WM der richtige Weg?
Die WorldWCR fand im Rahmen der SBK statt und ist durch ihre Einheitsmotorräder und einer Nenngebühr von 25.000€ die günstigste Weltmeisterschaft. Eine verlockende WM, die mit einem Starterfeld von 26 Fahrerinnen aus 17 Ländern nicht zu verachten ist. Soweit so gut, oder?
Nehmen wir mal die Aussage von FIM-Präsident Jorge Viegas: “Die Motorrad-Frauen-WM ist kein Startpunkt für Teilnehmerinnen, die lieber in einer anderen Meisterschaft gegen Männer fahren möchten, das ist die Spitze für die Damen”. Hört sich ein wenig nach der Endstation an, oder? Verdeutlicht diese Aussage nicht ein grundlegendes Problem: Anstatt Frauen in die bestehenden Meisterschaften zu integrieren und ihnen dort gleiche Chancen zu bieten, werden sie in eine separate Weltmeisterschaft gesteckt.
Der Motorradrennsport hat bisher die einzigartige Eigenschaft, das Geschlecht fast irrelevant zu machen. Egal ob groß, klein, schwer oder leicht – im Motorsport können körperliche Gegebenheiten durch technische Fähigkeiten und Talent ausgeglichen werden. In einer Welt, in der Gleichberechtigung oft noch ein fernes Ziel ist, bietet der Motorradrennsport eine Plattform, die Frauen und Männern die gleichen Chancen ermöglicht.
Die Vorstellung, dass Frauen im Motorsport grundsätzlich gegenüber männlichen Piloten benachteiligt sind, ist absurd. Ana Carrasco zeigte eindrucksvoll, dass Frauen sich gegen Männer erfolgreich behaupten können. Carrasco bewies mit ihrem Titelgewinn in der Supersport 300, dass Frauen gegen Männer bestehen können, wenn sie die nötige Unterstützung und Förderung erhalten. Auch der Punkt der körperlichen Unterlegenheit lässt sich schnell mit dem Beispiel von Dani Pedrosa aus der Welt räumen. Bei einer Körpergröße von 1,58 m und einem Gewicht von 51 kg war Pedrosa seinen Konkurrenten augenscheinlich unterlegen. Trotz dessen kämpfte er um die MotoGP-Weltmeisterschaft.
Talent und Förderung statt Abstempeln
Finanzielle Unterstützung, frühe Förderung und die Schaffung gleicher Rahmenbedingungen könnten weiblichen Nachwuchstalenten den Weg in die Weltmeisterschaften ebnen. Durch gezielte Förderprogramme und Trainingscamps für Mädchen könnte eine neue Generation von weiblichen Nachwuchsfahrern geschaffen werden. Eltern spielen bei Nachwuchsfahrern eine große Rolle, vielleicht fällt es ihnen schwerer, ihre Töchter auf Motorräder zu setzen – hier hätte man durch mehr Förderung viel erreichen können.
Der Auftakt der WorldWCR und vor allem das erste Rennen hat leider nicht dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen. Der holprige Start hat diese eher untermauert. Alleine durch Talent, Leidenschaft und Willensstärke schafft niemand es, in der Motorrad-Weltmeisterschaft erfolgreich zu sein. Ganz egal ob du ein Mann oder eine Frau bist. Gutes Material, ein gutes Team und die richtigen finanziellen Mittel sind ebenfalls von Bedeutung. Der holprige Start der Motorrad-Frauen-WM zeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Ob die separate WM den gewünschten Erfolg bringt, mehr Frauen im Motorradrennsport zu etablieren, wird die Zeit zeigen.
Eure Miss MotoGP
