Erwartungen. Ein schmaler Grat

In der zweiten Auflage Aragon, stellten sich mal wieder die gleichen Fragen, wie bei jedem Doppelrennen in dieser Saison 2020.  Wer konnte vom letzten Rennen lernen? Wer hat sich verbessert? Wer kann mit dem herrschenden Druck, durch das vergangene Rennen umgehen? Das galt es heute zu beantworten. Leider konnten nicht alle mit dem Druck, den Erwartungen umgehen. Wir sahen sich scheitern.

Takaaki Nakagami, galt in dieser Saison lange als bester Honda Pilot. Der Japaner fuhr als einziger immer in die Punkt. Er hatte eine Konstanz, welche in dieser verrückten Saison so wichtig war. Dann passierte gestern, etwas was schon lange nicht mehr passiert war. Ein Japaner landet auf der Pole Position. Für Nakagami war es die erste Pole in der MotoGP. Ich glaub ich muss nicht schreiben, was es für einen Japaner bedeutet von Pole aus auf einen japanischen Motorrad ins Rennen zu starten. Ich muss aber schon schreiben, wie hoch dann auch der Erwartungsdruck ist. Zudem kam, dass Honda heute seinen 800 Sieg in der Motorrad-WM feierte. Da wäre es doch großartig gewesen, den 801 Sieg mit einem japanischen Fahrer in der MotoGP zu feiern. Der Druck war zu hoch. Die Erwartungen konnten heute nicht erfüllt werden. Weder die Erwartungen von Nakagami an sich selbst. Noch die Erwartung von Anderen. Nakagami, ist daran heute zerbrochen und hat die Erwartungen nicht erfüllt. In Runde eins begrub er alles. Sein Visier ließ er unten, sein Helm behielt er auf und doch konnte man seine Enttäuschung sehen. Damit endete seine Serie, in dieser Saison der einzige Fahrer im MotoGP Feld zu sein, der immer in den Punkten lag. Damit endete das Rennen für ihn heute vorzeitig.

Ein andere Honda Pilot hat sich in den letzten beiden Rennen gesteigert. Alex Marquez hat begonnen aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten. Einen Schatten, der trotz seiner Weltmeistertitel größer als er scheint. Wird er doch immer als „kleiner Bruder von Marc Marquez“ bezeichnet. Alex Marquez fährt als Rookie in einem erfolgsverwöhnten Werksteam. Auch wenn es nur für ein Jahr ist, ist die Erwartungshaltung hoch. Er muss liefern, zumal der Ausfall von Marc Marquez Honda schwer getroffen hat. Vergangenes Wochenende stand Alex Marquez auf dem Podest und auch heute war sein Ziel klar. Er wollte gewinnen. Es allen zeigen. Zeigen, dass es er verdient hat und nicht nur der „Bruder von“ ist.  Für Alex Marquez war das Rennen zur Rennmitte auf Platz 4 liegend vorbei. Der Honda Pilot hatte zu viel gewollt. Zu viel erwartet. Er stützte und verlor alles. Die Enttäuschung war groß.   

Wie man es besser macht, wie man den Erwartungen der anderen mit Leichtigkeit begegnet, zeigt Franco Morbidelli. Der Yamaha Pilot fährt um die Weltmeisterschaft mit. Aber er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Auf die Frage, ob er um die WM mitfährt, entgegnete er > „Um die WM kämpfen die Werksfahrer. Ich bin keiner.“ Ja es stimmt. Morbidelli bekommt im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Fabio Quartararo keinerlei Werksunterstützung. Der Yamaha Petronas Pilot bestreitet die Saison mit der Yamaha aus dem letzten Jahr. Das tut seiner Leistung aber keinen Abbruch. Mit seinem Sieg heute hat er bewiesen, dass man in der Weltmeisterschaft mit ihm rechnen muss. Morbidelli fährt befreit auf, lässt sich von den Erwartungen nicht unter Druck setzten. Er hat Spaß bei dem was er tut. Hoffentlich erhält er sich diese Leichtigkeit.

An deinen eigenen Erwartungen zu scheitern, ist hart. Zu scheitern, weil die Erwartungen der anderen dich dazu bringen, das ist härter. Was hilft dagegen? Sich dem nicht hinzugeben. Auf sich zu vertrauen. Die Erwartungen und den damit verbunden Druck im Keim zu ersticken. Leichtigkeit scheint vielleicht ein Schlüssel zu sein.

Wir können gespannt sein, wie das in den nächsten drei Rennen aussieht. Die Weltmeisterschaft ist weiterhin offen wie nie. Es wird ein spannender Endspurt.

Eure Miss MotoGP

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